Selbstständige Schule
Im Mittelpunkt des auf sechs Jahre angelegten Projektes stehen die Schülerinnen und Schüler. Mit dem Ziel, ihre Lern- und Lebenschancen zu verbessern, arbeiten Schulen, Schulträger und Schulaufsicht Hand in Hand und erproben im Rahmen des Projektes neue Wege. Alle Teilvorhaben im Projekt "Selbstständige Schule" dienen mittelbar oder unmittelbar der Verbesserung der Qualität der schulischen Arbeit, d.h. vor allem, der Unterricht soll besser werden. Bei allen Projektaktivitäten werden jeweils auch die Auswirkungen auf die Chancengleichheit von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern mit in den Blick genommen. Die größere Selbständigkeit von Schulen soll dazu beitragen, dass sie ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag besser gerecht werden können. Das Projekt geht von der Überzeugung aus, dass die Schulen in vielen Fällen am besten wissen, was für sie richtig ist und dass sie in der Ausübung dieser Eigenverantwortung nicht durch ein Übermaß an bürokratischen Vorgaben behindert werden sollen.
Mehr Selbstständigkeit ist aber auch an Voraussetzungen geknüpft: Erst wer bereits ein Fundament gelegt und an der Verbesserung des Unterrichts und des schulinternen Managements gearbeitet hat, wird die neue Selbstständigkeit wirksam nutzen können. Und: um die erweiterten Freiräume zielorientiert wahrzunehmen, müssen sich die Schulen auf neu geschaffene regionale Strukturen verlassen können, die sie beraten und unterstützen.
Schulen sind keine einsamen Inseln. Bei der "Selbstständigen Schule" spielt diese Erkenntnis eine zentrale Rolle: Kinder und Jugendliche lernen und leben in einer vielfältigen und sich verändernden Welt.
In ihrem Interesse bilden die verschiedenen Akteure einer Region ein Netzwerk. Durch die Kooperation mit externen Partnern in der Region, seien es andere Schulen, Einrichtungen der Kommunen oder regionale Betriebe, entstehen neue Bildungslandschaften. Denn Unterricht zu verbessern bedeutet z.B. auch, das Arbeitsleben kennen zu lernen und Arbeitsvorgänge zu begreifen - ermöglicht durch regionale Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft.
Erfahrungen gewinnen, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen - darum geht es bei der "Selbstständigen Schule": z.B. in der Personalverwaltung, der Stellen- und Sachmittelbewirtschaftung, in der Unterrichtsorganisation, der Schulmitwirkung und bei Personalentscheidungen. Neue Formen des Co-Managements können entstehen, die Schulleitungen unterstützen und Lehrerinnen und Lehrern mehr Mitgestaltung ermöglichen. Durch die professionelle Qualifizierung von Unterrichtsarbeit und Teamentwicklung im Rahmen des Projekts werden die Lehrkräfte spürbar entlastet. Die Zufriedenheit und Motivation zu steigern ist ein Hauptanliegen des Modellvorhabens.
Grundlage für die Erprobung neuer Konzepte in den verschiedenen Arbeitsfeldern ist eine fundierte Unterrichtsentwicklung, die Verbesserung des schulinternen Managements und auf Seiten der Kommunen erste Schritte beim Aufbau einer regionalen Bildungslandschaft. Unterstützt vom Projektmanagement, vom Schulträger und der Schulaufsicht gehen die Schulen neue Wege in folgenden Arbeitsfeldern:
Arbeitsfeld 1:
Personalbewirtschaftung
Jede Schule entscheidet im Rahmen des Stellenplanes selbst über die Besetzung ihrer Stellen. Ihr steht ein Personalmittelbudget zur Verfügung. Schulleiterinnen und Schulleiter stellen Personal ein, das zum Profil der Schule passt. Sie übernehmen Dienstvorgesetztenfunktion.
Arbeitsfeld 2:
Sachmittelbewirtschaftung
"Selbstständige Schule" will praxisnahe Entscheidungen ermöglichen. Über die Verwendung des Sachmittelbudgets kann jede Projektschule entsprechend den Schwerpunktsetzungen ihres Schulprogramms entscheiden. Das Modellvorhaben will erreichen, dass sich dieses Budget zukünftig aus Landes- und Schulträgermitteln zusammensetzt. Zudem fließen Drittmittel - z.B. Fördergelder - in das Sachmittelbudget ein.
Arbeitsfeld 3:
Unterrichtsorganisation und Unterrichtsgestaltung
Innovative pädagogische Konzepte sind gefragt. Dafür erhalten die Schulen und Lehrkräfte einen weiten Freiraum. Diesen können sie nutzen etwa bei der Zusammensetzung von Lerngruppen oder bei der zeitlichen und örtlichen Organisation des Unterrichts. Auch bei der Leistungsbewertung und den Leistungsbescheinigungen sind neue Wege möglich, z.B. die Erprobung von Portfolios. Abschluss- und Abgangszeugnisse bleiben davon jedoch unberührt, um die Vergleichbarkeit und Anerkennung der Zeugnisse zu gewährleisten.
Arbeitsfeld 4:
Innere Organisation und Mitwirkung in der Schule
Schulentwicklung kann nur gemeinsam gelingen. Es gibt viele Bereiche, in denen engagierte Menschen verantwortungsvoll mitarbeiten und so die Schulleitung direkt unterstützen können. Kollegien, Schülerschaft und Eltern gestalten zum Beispiel in Gremien ihre Schule aktiv mit oder bringen sich in einzelnen Projektbereichen ein. Ein Lehrerkollegium, das in Teams arbeitet, ist entscheidend - gerade, wenn fachübergreifend unterrichtet wird.
Arbeitsfeld 5:
Qualitätssicherung und Rechenschaftslegung
Professionelles, eigenverantwortliches Arbeiten bedeutet auch, die neuen pädagogischen Konzepte und Maßnahmen für alle transparent zu gestalten. Qualität zu sichern und zu entwickeln heißt, Erfolge und noch bestehende Defizite detailliert aufzuzeigen und bewusst zu machen - zum Beispiel durch systematisierte Formen der Selbstevaluation und durch ein internes und externes Berichtswesen.
Links zum Thema:
Selbstständige Schulen - Gesamtschule Königsborn